Aktuelles

11 Okt, 2016

Antonia berichtet von ihrer Zeit als Volontärin im Canile AIPA

Ich verfolge schon seit ein paar Jahren die Problematik von Straßenhunden in Europa und verschiedene Projekte, wie die des Tierschutzsprojekt Italien e.V.s.
Nachdem meine Hündin dieses Jahr verstorben war, beschloss ich meine freie Zeit nach dem Studium zu nutzen um mich endlich für Straßenhunde aktiv einsetzen zu können.
Stefanie antwortete mir umgehend auf meine Anfrage und gab mir von Anfang an das Gefühl in Italien willkommen zu sein und wertgeschätzt zu werden.

Sie unterstützte mich bei der Organisation meiner Reise und am 15. August machte ich mich dann schließlich von München mit dem Auto auf den Weg nach Atripalda, einer kleinen, typisch italienischen Stadt, um für einen Monat im Canile als Volontärin zu arbeiten.

Ich freute mich schon sehr, nach dem Tod meiner Hündin, wieder die Nähe zu Hunden genießen zu dürfen. Nach einem Zwischenstopp für eine Nacht in der Nähe von Florenz erreichte ich endlich am 16. August das Canile in Atripalda, wobei ich mir meine Ankunft nicht schöner hätte vorstellen können: Schon am Eingangstor wurde ich schwanzwedelnd von dem „Begrüßungscomité“ des Caniles empfangen. Zara, Jimmy, Ranjo und Leo holten sich gleich ihre ersten Streicheleinheiten bei mir ab.

Kurz darauf kam dann auch schon Sabrina, eine Mitarbeiterin des Caniles, auf mich zu, drückte mich sehr herzlich und stellte mich daraufhin Michelangelo, Mariagiuseppa und Chiara vor.
Wir verstanden uns trotz meiner anfangs geringen Italienischkenntnisse von Anfang an gut und ich fühlte mich auf Anhieb wohl.

Als Sabrina mir anschließend die 170 Hunde des Caniles vorstellte, war ich sehr positiv überrascht. Ich hatte erwartet, dass die meisten Hunde eher scheu und zurückhaltend sein würden, aber das Gegenteil war der Fall. So gut wie jeder Hund begrüßte mich freudig, wollte kuscheln und es wurden sogar Küsschen verteilt.
In jeder großen Box, die wir betraten, leben mehrere Hunde tagtäglich friedlich in Rudeln zusammen.
Jeder von ihnen hat einen Namen und eine Geschichte, die man im Canile kennt.

 

Für meine erste Gassirunde durfte ich dann gleich Lella mitnehmen, die Hündin die ich auf meiner Rückreise mit nach Deutschland bringen sollte, und war erneut positiv überrascht. Lella lief problemlos an der Leine. Mit uns kamen noch 5 weitere Hunde, die frei liefen, auf mein Rufen hörten und den Spaziergang sichtlich genossen.
So verlief es auch mit den vielen anderen Hunden, mit denen ich an diesem Tag noch spazieren ging.

Nach Ende des ersten Arbeitstags wurde ich von Sabrina noch zum Essen mit ihrer ganzen Familie eingeladen, ebenso auch von Michelangelo und Angela am Tag darauf.
Schöner hätte mein Start nicht verlaufen können und ich freute mich schon sehr auf die nächsten 4 Wochen, und dies zurecht.

In diesem Monat in Atripalda habe ich zum einen die Arbeit mit den Hunden sehr genossen.
Denn in dem Heim leben fast 170 ausgeglichene, liebevolle Hunde, die jede Minute, die man mit ihnen verbringt, genießen und die so sehr ein Leben in einer Familie verdient hätten.
Alle sind dank des hohen Einsatzes der Mitarbeiter vor Ort gut sozialisiert und an Spaziergänge an der Leine gewöhnt.

Da wäre zum Beispiel Jenny, unsere bildschöne Schäferhündin, die am liebsten im Fluss plantscht und bei jedem Spaziergang auch ohne Leine einem nicht von der Seite weicht.
Nathan, der Prachtkerl, der auf den ersten Blick stark und dominant wirkt, aber eigentlich die größte Schmusekatze ist und sich mit allen anderen Hunden wunderbar versteht.
Miele, die treue Seele des Caniles, die mich jeden Tag bei der Arbeit von Box zu Box begleitet und nicht aus den Augen gelassen hat.
Steve, der Neuankömmling, den ich taufen durfte und der ab dem Zeitpunkt auch jeden Tag sein Begrüßungs- und Verabschiedungsküsschen einforderte.
Linda, der Ridgeback-Mischling, die nichts mehr liebt, als mit ihrem Rudel über die Wiesen zu rennen und die mich jeden Tag mit ihrem Blick zu einer extra Streicheleinheit überreden konnte.

Athos, Setterina, Rudy, Guisi, Giacomino, Mars, Nerone … in dem Canile leben so viele liebenswürdige, treue Seelen.
Jeder setzt sich vor Ort dafür ein, dass es ihnen gesundheitlich an nichts fehlt, sie genügend Nahrung erhalten und einen sauberen, warmen und sicheren Schlafplatz haben.

Doch auch für das Team AIPA ist es nicht möglich, jedem der 170 Hunde die notwendige regelmäßige Zuneigung und den mehrmals täglichen Auslauf zu bieten – auch, wenn sie es mit aller Kraft jeden Tag versuchen …

Alle Hunde hätten es verdient in einer Familie ihr Glück zu finden. Dennoch warten viele teilweise ihr Leben lang vergebens darauf, weil sie kein kleiner süßer Welpe mehr sind, oder weil sie schwarzes Fell haben und schwarze Hunde in Italien Pech bringen sollen. Auch Hunde ab Kniehöhe lassen sich schwerer vermitteln, da man in Italien teilweise der Auffassung ist, man müsse mit kleineren praktischerweise nicht Spazieren gehen …

Ja neben den vielen schönen Momenten habe ich auch weniger schöne Erfahrungen gesammelt, die einem deutlich machen, wie sehr jede Hilfe zählt und wie wichtig Aufklärung ist.

Als Gabriel, ein schwarzer 2 Jahre junger Schäferhund, im Canile aufgenommen wurde, zerbrach es mir fast das Herz. Er hatte wie viele Hunde in Italien, sein Leben bis dato an der Kette verbracht, täglich der Hitze und dem Regen ausgesetzt, ohne Schutz und ohne ausreichend Wasser und Futter …

Als er bei uns vollkommen abgemagert ankam, nahm er all seine Kraft zusammen, um jeden freudig zu begrüßen und verschlang gierig seine erste Portion Futter.
Für den Rest meiner Zeit vor Ort kümmerte ich mich intensiv um ihn und wir konnten von Tag zu Tag längere Runden spazieren.
Es ist mir ein Rätsel, wie man einem so liebevollen, verschmusten Hund etwas so Grauenvolles antun kann.

Aber nicht nur die teilweise falsche Einstellung der Italiener Hunden gegenüber, sondern auch die mangelnde finanzielle Unterstützung der Gemeinde und die fehlende Kompetenz mancher Tierärzte sind Gründe, warum Hilfe und Spenden aus Italien und Deutschland so wahnsinnig wichtig sind.

Es verdient wirklich den höchsten Respekt, was im Canile und von Deutschland aus unter anderem von Roland und Stefanie, die ich bei ihrem Besuch in Italien kennenlernen durfte, jeden Tag für die Hunde geleistet wird. Michelangelo, der seit Jahren jeden Tag und Abend die Hunde versorgt; Angela, die sich mit aller Kraft rechtlich und politisch in der Region für die Hunde einsetzt; Sabrina, Mariagiuseppa, Chiara, Valentina, Tina und Cinzia, die neben ihrem Beruf und Studium jeden freien Tag ehrenamtlich im Canile arbeiten.

Sie alle sind Menschen mit großen Herzen, in denen ich viele neue Freunde gefunden habe.
Sie haben mich mit offenen Armen empfangen, mich in ihr Team aufgenommen und mir ihr Vertrauen geschenkt und dafür möchte ich einfach einmal DANKE sagen!

Der Abschied nach 4 Wochen von ihnen und von den vielen Hunden viel mir sichtlich schwer und mir war klar, dass ich im nächsten Jahr wiederkommen werde. Umso glücklicher war ich, als mir Stefanie und Roland ihr Vertrauen schenkten und anboten Mitglied des Vereins zu werden. Auf diese Weise kann ich auch von Deutschland aus mich für die Hunde einsetzen und arbeite weiterhin mit dem Team in Italien und Deutschland zusammen.

Nachdem ich nach einer langen Fahrt zusammen mit Lella wieder in München ankommen war, wurde sie am nächsten Tag von ihrer neuen Familie aus Aachen bei mir abgeholt. Es war sehr schön zu sehen, mit welcher Freude Lella erwartet wurde. Dass diese 11 Jahre alte Hündin nach so langer Zeit noch ihr Glück in einer Familie finden durfte, ist ein Wunder, für das sich der ganze Einsatz lohnt.
Und ich hoffe, ich werde in den nächsten Jahren noch viele solcher Wunder erleben dürfen.

Eure Antonia
Team Tierschutzprojekt Italien e.V.