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26 Jan, 2015

Das „Geschäftsmodell Canili“ in Italien

Liebe Tierfreunde, in der Meridio News Catania erschien am 2.Januar ein bemerkenswerter Artikel, der sehr klar verdeutlicht, warum die Hunde in den Canili Italiens so sehr leiden müssen.
Daher wollen wir Ihnen diesen Artikel in der folgenden freien Übersetzung nicht vorenthalten :

„Das große Geschäft mit den Straßenhunden in Catania
Für den dreijährigen Zeitraum von 2015 bis 2017

Direktzuweisungen, Dienstleistungen in Monopolstellung und oberflächliche Berichterstattung. Mit den Straßenhunden von Catania werden Geschäfte in Millionenhöhe gemacht. „ Mit einem öffentlichen Tierheim und großangelegten Sterilisationen wäre das Problem in zwei, drei Jahren gelöst; doch es gibt diejenigen, die das nicht wollen“, zeigt der Rechtsanwalt von L’altra zampa an.

Direkte Zuweisungen, Dienstleistungen in Monopolstellung und oberflächliche Berichterstattung. In Catania werden mit den Straßenhunden Geschäfte in Millionenhöhe gemacht. In den letzten drei Jahren hat die Gemeinde ca. 2,7 Millionen Euro für das Fangen, die Unterbringung und die Gesundheitsversorgung von 600 Tieren ausgegeben. Einen erheblichen Teil dieses Geldes hat die Associazione Nova Entra bekommen, die das öffentliche Tierheim betreibt, nachdem sie , als einzige Teilnehmerin, die öffentliche Ausschreibung für die Jahre 2012-2014 gewonnen hatte, mit einem Wert von fast 2,5 Millionen Euro. Jedoch wurde das Tierheim letzten April beschlagnahmt (und dann wieder geöffnet mit neuen Regelungen) nach einer Inspektion durch die Taskforce des Gesundheitsministeriums. Diese beanstandeten „ Unterernährung, Krankheiten, Überfüllung und schlechte hygienische Bedingungen“.

Auch als Konsequenz dieses Vorfalls musste die Gemeinde im Verlauf des letzten Jahres den nte Notfall konfrontieren und andere geeignete Unterkünfte für die Pflege der Straßenhunde finden. Die monatlichen Kostenpunkte sind drei geworden: zu Nova Entra kam das Zentrum für Hundefreunde La Porziuncola (mit 3 Euro je Hund für die Aufnahme und Versorgung) und das Oasi Cisternazza (einziges geeignetes Canile im ganzen Bezirk) hinzu. Für das erste wurden 2014 Ausgaben in Höhe von 51.000 Euro (davon 33.000 bereit gezahlt) vorhergesehen und für das zweite Canile Ausgaben in Höhe von 140.000 (28.000 bereits gezahlt).

Ein Geldfluss der aber weder den Grundstein gelegt hat um die Organisation zu verbessern, einer Dienstleistung zu der die Gemeinde gesetzlich verpflichtet ist, noch um in Zukunft eine Kostensenkung zu erreichen. Im Gegenteil. Die Abteilung für Ökologie hat kürzlich einen Beschluss erlassen, in dem für den Zeitraum von drei Jahren von 2015 bis 2017, Ausgaben in Höhe von 2.724.000 Euro vorhergesehen werden, sprich 908.000 Euro pro Jahr. Diesen Wert wird auch die nächste öffentliche Ausschreibung haben. Bis dahin wird Nova Entra das Canile weiterhin bis März betreiben. Für die ersten drei Monate von 2015 wird diese Aufschiebung 170.000 Euro kosten.

Inhaber des Vereins Nova Entra ist der Tierarzt Mario Bongiorno. Die Folge der Untersuchungen der Taskforce des Ministeriums im April und die Beschlagnahmung der Einrichtung, ist eine Ermittlung der Staatsanwaltschaft von Catania, die noch immer andauert. In dem Bericht der Nas von Catania, der bei der Staatsanwaltschaft nach der Inaugenscheinnahme eingereicht wurde, steht: „In der Einrichtung sind die Grundbedürfnisse nicht gesichert und einige Hunde müssen auf eine mit ihrer Natur unvereinbaren Weise leben, derart, dass es ihnen sowohl schweres psychische als auch schweres physisches Leiden verursacht. Diese Situation wird bestätigt durch die Präsenz von Tieren mit deutlichen makroskopisch Läsionen und manifestieren sich in Verhaltensstörungen bis hin zu Aggressionen untereinander.“ Und weiter: „ Die Tiere sind in einem verwahrlosten Zustand und bei vielen sind Spuren von Misshandlungen zu erkennen. Eine Straftat, da ohne Grund Verletzungen verursacht wurden und die Tiere unerträglichen Verhalten und Entbehrungen ausgesetzt waren“.

Bevor die Inspektoren des Ministeriums kamen, hatte bereits die Polizeileiterin Adriana Muliere ermittelt und auf die Situation im Canile hingewiesen. Jedoch ging die Justiz diesem nicht nach. Muliere wurde später aus dem Kommissariat in Nesima entfernt auf Grund einer Geschichte, die gerade die Verwaltung einiger Straßenhunde betraf.

Nach einem Monat der Beschlagnahmung gab das Überprüfungsgericht Buongiorno Recht, er sei Opfer eines Systems geworden, in dem die Gemeinde ihm ständig Neuzugänge aufgezwungen hatte, wodurch es zu der Überfüllung kam, und ordnete die Wiedereröffnung an. Jedoch ohne die Möglichkeit neue Hunde aufzunehmen.
In den letzten Monaten ist die Zahl der Straßenhunde unter der erneuten Führung von Nova Entra auf 550 gesunken. Außerdem seien wichtige Maßnahmen innerhalb der Einrichtung getroffen worden, um der lagen Liste von Vorgaben gerecht zu werden die angeordnet worden waren. „ Wir haben uns an all das gehalten, was uns von de ASP auferlegt wurde“ erklärt Buongiorno „es wurde neu verputzt an den Stellen es nötig war, die Laufgänge zwischen den Zwingern wurden in Ordnung gebracht und die Entsorgung der Abfälle erfolgt vorschriftsmäßig“. Der Tierarzt erklärt, er habe viele Kontrollbesuche der kommunalen ASP bekommen „Das Tierheim ist jetzt eine Bonboniere“ präzisiert er. Die registrierten Nichterfüllungen? „Sie haben das geschrieben, was sie eben geschrieben haben, aber es ging um 40 Hunden von 1000“ antwortet Buongiorno, der mit Aussicht auf die bevorstehende öffentliche Ausschreibung weiter sagt: „ Ich hätte alle Voraussetzungen um daran teilzunehmen, aber ich glaube nicht, dass ich es machen werde“.

Vergleicht man den Bericht der NAS mit den technischen Vertragsbedingungen, welche zu Beginn der von Nova Entra gewonnen Ausschreibung für 2012 bis 2014 galten, gehen einige nicht eingehaltene Punkte hervor, sowohl im Hinblick auf die Anforderungen an die Struktur als auch bei der Verpflichtung zur Pflege; letztendlich haben die verantwortlichen Kontrollinstitutionen (Gemeinde und ASP) bis letzten April immer beide Augen zugedrückt dieser Situation gegenüber. „ Unabhängig davon, wie die Strafsache zu Ende geht, aus Sicht des Zivilrechts gab es eine Vertragsverletzung“ – kommentiert Tania Cipolla, Rechtsanwältin des Vereins L’altra zampa, dessen Anzeige die Untersuchung durch das Gesundheitsministeriums auslöste- „wie kann eine Verwaltungsbehörde einen Vertrag verlängern oder einen neuen machen mit jemanden, der seinen Vertrag bisher nicht eingehalten hat? Die Situation spitz sich zu, weil sie von den Personen geführt wird, gegen die gleichzeitig ermittelt wird. Die Politik der Gemeinde ist beschämend“.

Dank dem Druck durch die Beraterin für Straßenhunde (Gabrielle Barchitta) des Bürgermeisters Enzo Bianco, wurde in den letzten Monaten mit der Auseinandersetzung mit den Tierschutzorganisationen begonnen, mit dem Ziel die Überwachung der Straßenhunde im Gebiet aufzuteilen. Außerdem startete eine Kampagne zum chippen der Tiere in den Piazzas der Stadt. Aber alle die in diesem Bereich ehrenamtlich arbeiten wissen, dass es bloß ein Tropfen auf den heißen Stein ist. „ Um in zwei Jahren nicht immer noch mit 700 Hunden und deren Versorgung dazustehen“ – gibt Barchitta zu- „bräuchte es eine Kampagne zur flächendeckenden Sterilisation, Hundeoasis weit entfernt von Wohngebäuden und einen ernsthaften Plan für Adoptionen. Doch die anderen Einrichtungen, wie die Regione und ASP, kooperieren nicht. Die Webseite für die Adoptionen ist unübersichtlich. Das einzige Ziel ist das öffentliche Tierheim“.

Das schreibt auch die NAS in der bei der Staatsanwaltschaft vorgelegten Untersuchung: „Das Gesetz sieht den Bau von öffentlichen Tierheimen vor mit dem Zweck streunende Tiere aufzunehmen und mit dem Ziel für sie eine Familie zu finden und nicht sie mit öffentlichen Geldern in privaten Canili zu behalten.“ Der Verein L’altra zampa hat versucht den Worten Taten folgen zu lassen:“ Wir haben mit dem verantwortlichen Leiter, Rosario Puglisi, gesprochen“ – erzählt der Rechtsanwältin Cipolla“- und ihm erklärt wie man mit 400 000 Euro (die Hälfte der jährlichen Ausgaben) eine öffentliche Einrichtung schaffen kann. Die Flächen dafür wurden bereits im Industriegebiet ermittelt. Die Firma Laika, eine der führenden in diesem Bereich, realisiert diese Einrichtung schrittweise mit vorgefertigten Modulen.
Die Gemeinde von Misterbianco, in der bisher die Dienste in den Händen der privaten lagen, hat zum Beispiel entschieden diesen Weg zu gehen.“
Der Meinung der Rechtsanwältin nach würde auch eine großangelegte Sterilisationsaktion das Problem in zwei, drei Jahren definitiv lösen. „Jedoch ist der politische Wille ist nicht da“- sagt sie abschließend- die Straßenhunde in Catania sind ein Business und irgendjemand möchte das das auch so bleibt.“

Kommentar dürfte sich erübrigen.
Arme arme Hunde…

Tierschutzprojekt Italien e.V.