Oasi Nuova Vita

Das “Oasi Nuova Vita” – Pilotprojekt und Kontrast zu den üblichen Canili
Unsere Partnerorganisation Associazione Protezione del Cane Gaia O.N.L.U.S. aus Manduria, unter dem Vorsitz von Luigia Parco, hat Ende 2010 damit begonnen, auf einem in ihrem Besitz befindlichen 10.000 qm großen Grundstück in der Nähe von Manduria das Tierschutzzentrum “Oasi Nuova Vita” zu errichten.
Über die enorme Bedeutung, die dieses Projekt in einem Brennpunkt Süditaliens besitzt, haben wir mit Luigia gesprochen:
Tierschutzprojekt Italien:
Luigia, warum ist die Errichtung dieses Oasi Nuova Vita in Apulien so wichtig?
Luigia Parco:
Die Situation der Hunde hier bei uns ist schrecklich. Tausende von ausgesetzten oder auf der Straße geborenen Hunden irren über die Straßen, werden überfahren, verhungern oder werden vergiftet.
Sie kämpfen Tag für Tag um ihr bisschen Leben, das ihnen so viele Menschen hier nehmen wollen.
Sie leiden an Krankheiten, Verletzungen und viele von ihnen kommen mit der Situation schlecht zurecht, gerade dann, wenn sie frisch ausgesetzt wurden oder wenn es sich um kleine Hunde handelt, die sich schlecht durchsetzen können oder einfach zu schwach sind.
Wir Tierschützer kümmern uns um sie, indem wir sie tierärztlich behandeln lassen und ihnen regelmäßig Futter und Wasser bringen. Sie warten dann schon immer auf uns und wenn sie uns kommen sehen, drehen sich ihre Ruten wie ein Karussell vor Freude.
Sie lecken uns die Hände vor Dankbarkeit und geben uns so viel Liebe zurück! Aber wenn wir abends schlafen gehen, kommen immer wieder die Gedanken, ob wir sie am nächsten Tag wiedersehen werden. Und oft werden unsere Ängste am nächsten Tag bestätigt, wenn wir die Hunde, die wir schon länger betreuen, vergiftet oder überfahren vorfinden.
Da wir Tierschützer hier aber alle schon viele Hunde zuhause haben, können wir nur die allerdringlichsten Fälle mitnehmen, da wir einfach keine freien Kapazitäten haben.
Und daher müssen wir eine sichere Zuflucht für sie schaffen. Für all diejenigen, die auf den Straßen täglichen lebensbedrohlichen Gefahren ausgesetzt sind.
Das Oasi Nuova Vita soll ein Refugium werden, das ihnen ein vorübergehendes Zuhause schafft, wo sie ihre Schäden an Leib und Seele auskurieren können. Der tagtägliche Kampf um das Überleben, die verzweifelte Suche nach Futter, Wasser und einem sicheren Platz zum Schlafen ist vorbei, wenn sie es in das Oasi Nuova Vita geschafft haben.
Und von hier aus wollen wir dann versuchen, ihnen eine Familie zu suchen, denn so schön das Oasi Nuova Vita auch sein mag, ist das nicht der Ort, an dem ein Hund sein ganzes Leben fristen sollte, sondern in einer Familie, wo er als vollwertiges Mitglied leben kann und wo er geliebt wird.
Tierschutzprojekt Italien:
Ist die Unterbringung und Vermittlung von Straßenhunden das Hauptziel des Oasi Nuova Vita?
Luigia Parco:
Nein. Das Ziel des Oasi Nuova Vita geht weit darüber hinaus!!
(Interview zum Projekt Oasi Nuova Vita it Luigia Parco, für deutsche Untertitel bitte im rechten unteren Bildrand auf CC klicken)
Die Straßenhunde hier führen ein wahrlich hartes Leben, aber dennoch muss man sagen, dass sie wenigstens ihre Freiheit haben.
Das deutlich größere Drama spielt sich hinter den Mauern der sogenannten Canili ab.
Und deshalb ist die Errichtung des Oasi Nuova Vita von so großer zukunftsweisender Bedeutung gerade hier in Apulien, wo ein Canile nach dem anderen gebaut wird, die alle eines gemeinsam haben: Es sind reine Verwahranstalten, die den Hunden ihre Würde und letztlich auch ihr Leben nehmen.
Diese Canili verfolgen nur einen Zweck : den Betreibern gute Geschäfte zu sichern, da diese für die Unterbringung der Hunde mit einer “pro Hund/pro Tag” Pauschale von bis zu 7 Euro von den Gemeinden fürstlich entlohnt werden…dies hat das “Business Canile” geboren und dies ist das eigentliche Grauen für die Hunde Apuliens und in anderen Regionen Süditaliens.
Sie werden dort in betonierte enge Zwinger gesteckt, die man nur als Vorzimmer des Todes bezeichnen kann.
Diese Zwinger verlassen sie NIE und vegetieren dort ihr ganzes Leben vor sich hin, bis sie gestorben sind, da kein öffentlicher Zugang besteht und damit Adoptionen bewusst verhindert werden.
Eine tierärztliche Versorgung findet so gut wie nicht statt, wie diese Aufnahme eines Hundes aus einem Canile in Apulien belegt, dem man um seine gebrochene Pfote lediglich einen dreckigen Lappen gewickelt hatte:
Sie stehen aufgrund mangelnder Hygiene in ihren eigenen Exkrementen, leiden immer an Hunger und Durst und haben keinerlei Schutz vor der Hitze des apulischen Sommers und auch nicht vor der Kälte des Winters.
Hier sehen Sie z.B. Aufnahmen aus dem Canile in Manduria von 2008. Seitdem hat sich hier zwar einiges verbessert , auch auf Grund der Anzeigen, die unser Verein immer und immer wieder gestellt hat , die Hölle für die Hunde hat sich hingegen kaum verändert:
Sie können sich nicht zurückziehen, sind auch den Gerüchen der anderen Hunde ständig ausgesetzt. Rüden werden direkt neben dem Zwinger von läufigen Hündinnen eingesperrt, kranke und wehrlose kleine Hunde kommen in den Zwinger von großen Hunden und verhungern dort, weil sie nicht an das hineingeworfene und rare Futter herankommen.
Hier sehen Sie Eindrücke aus einem Canile in der Nähe von Lecce/Apulien von 2010:
Durch all diese Bedingungen drehen viele der Hunde durch, drehen sich nur noch im Kreis oder springen bis zur vollkommenen Erschöpfung ständig am Gitter hoch. Nach einigen Monaten ( manche schon nach einigen Wochen ) rebellieren sie nicht mehr. Sie geben dann auf und vegetieren nur noch vor sich hin. Und auch, wenn sie krank oder verletzt sind, werden sie meist nicht tierärztlich behandelt.
Was erschwerend dazukommt, ist vor allem die Tatsache, dass die meisten dieser Canili keinen öffentlichen Zugang besitzen. Wir Tierschützer stehen dann hilflos davor, hören die Hunde klagen, winseln und bellen und wissen nicht, was ihnen hinten den Mauern angetan wird.
Dieses Canile, ganz in der Nähe Mandurias gelegen, durfte z.B. NOCH NIE jemand betreten: Was geschieht den Hunden hinter diesem Tor?
Die Errichtung des Oasi Nuova Vita gerade hier in Apulien, wo dieses Grauen allgegenwärtig ist, ist deshalb ein PILOTPROJEKT, das es so in dieser Form in Apulien noch nie gegeben hat und durch das wir zeigen wollen, dass man es auch anders, dass man es besser machen kann, ja besser machen MUSS als in vielen dieser gerade für uns in Süditalien typischen Canili, wo man den Hunden ihre Würde und oft auch ihr Leben nimmt.
Tierschutzprojekt Italien:
Wie ist das Konzept des Oasi Nuova Vita ?
Luigia Parco:
Das Oasi Nuova Vita, das ca. 200 Hunden Platz bieten soll, wird ein natürlicher Lebensraum sein, in welchem so wenig asphaltierte Bereiche wie möglich gebaut und dafür geruchsbindende Bäume und Sträucher und Freilaufflächen anzutreffen sein werden.
Enge Zwinger wird es hier NICHT geben, sondern Auslaufflächen und Platz zum Spielen und Toben, aber auch Platz zum Zurückziehen, zur Ruhe.
Sehen Sie hier den ungefähren Bebauungsplan:
Es wird eine kleine Tierklinik errichtet werden, in welcher die kranken Hunde nicht nur tierärztlich behandelt werden können, sondern vor allem auch die so wichtigen Sterilisationen durchgeführt werden sollen, sowohl die Hunde im Oasi Nuova Vita selbst betreffend, als auch die Strassenhunde. Darüber hinaus sind mehrmals jährlich regelmäßige Gratis-Sterilisationen für die in Privatbesitz befindlichen Hunde vorgesehen.
Das OASI soll ein Zentrum für Sterilisationen werden, denn diese sind und bleiben der beste Tierschutz für eine Region mit Straßenhundproblemen! Eine einzige Hündin ist für Hunderte von Nachkommen verantwortlich !
Wir müssen das stoppen und sowohl die in Privatbesitz befindlichen Hunde, als auch alle Straßenhunde konsequent sterilisieren bzw. kastrieren und wir müssen die verantwortlichen Gemeinden und Politiker dazu bringen, ihrer vom Gesetz her vorgegebenen PFLICHT nachzukommen, den ungewollten Nachwuchs und damit unsagbares Leid durch konsequente Sterlilisationspolitik zu vermeiden.
Basta Welpen! Das muss verhindert werden!
Wir werden versuchen, in der OP-Technik von Sterilisationen und Kastrationen versierte Tierärzte und Tierärztinnen für unser Konzept zu gewinnen und haben bezüglich dieses Vorhabens im Oktober 2011 schon Einigung mit der hiesigen Verwaltung erzielt, dass alle hier tätigen Tierärzte unsere OP-Einrichtung nutzen dürfen und SOLLEN.
Auch wurden unsere Ziele, die wir mit dem Oasi Nuova Vita verbinden, hierbei in einem Schriftstück festgelegt und dann als Bauantrag eingereicht.
Luigia Parco, Andrea Simeoni (Architekt des Oasi Nuova Vita), Roland Eichler, Petra und Lisa Eby und Julia Plugge vom Tierschutzprojekt Italien und Carmen Gieriet von SOS Strassenhunde waren dabei, als wir im Oktober 2011 den Bauantrag auf der Gemeinde Manduria unterzeichneten.
Das Oasi Nuova Vita soll eine Welpenstation für all die Weggeworfenen bekommen und auch eine kleine Hundepension soll integriert werden, da wir damit einigen Aussetzungen vorbeugen können, wenn der Urlaub ansteht, denn in dieser Zeit werden hier die meisten Hunde ausgesetzt.
Durch Missbrauch und Misshandlungen seelisch traumatisierte Hunde sollen hier einen Raum für eine Resozialisierung bekommen, da diese Hunde in Apulien sonst keine Chance hätten. Aber auch diese Hunde können durchaus wieder Vertrauen zum Menschen aufbauen, wenn man ihnen Zeit gibt und sich entsprechend mit ihnen beschäftigt.
Das Oasi Nuova Vita wird tägliche Öffnungszeiten haben, um die Menschen an das Thema “Hund” heranzuführen. Es muss einfach wieder soweit kommen, dass Eltern mit ihren Kindern einen Ausflug ins Tierheim machen, was bisher ein Ding der Unmöglichkeit ist. Wir werden deshalb auch eine kleine Ecke im Oasi nur für Kinder zum Spielen reservieren. Schulklassen sollen eingeladen werden, um damit der nächsten Generation zu einem besseren Verständnis für die Bedürfnisse von Tieren zu verhelfen.
Das Oasi Nuova Vita soll ein Zentrum für den Tierschutz in Apulien werden, indem hier regelmäßig Treffen von nationalen und internationalen Tierschutzgruppen und interessierten Politikern abgehalten werden.
Es soll also eine ZUKUNFTSWEISENDE REFERENZ und ein VORZEIGEOBJEKT für GANZ APULIEN werden und nicht nur für die ca. 200 Hunde, denen wir dort einen vorübergehenden (!) Lebensraum geben können. Dafür werde ich, dafür werden wir alle hier sorgen.
Bitte helfen Sie uns dabei, diesen Traum verwirklichen zu können.
Wir müssen einen neuen Weg aufzeigen!!
Einen Weg der Ethik, der Kultur, der Menschlichkeit und der Empathie mit diesen wundervollen Tieren, die wie wir Geschöpfe Gottes sind!
Tierschutzprojekt Italien:
Danke, Luigia. Wir können jetzt besser verstehen, warum es so wichtig ist, dieses Oasi Nuova Vita zu errichten und werden versuchen, Dich darin zu unterstützen.
Welche Arbeiten wurden denn seit Dezember 2010 schon vorgenommen, was sind die als nächstes geplanten Baumaßnahmen und mit welchen Kosten muss insgesamt ungefähr gerechnet werden?
Luigia Parco:
Wir haben das Grundstück komplett eingezäunt, grobes Geröll entfernt, einen 150 Meter tiefen Brunnen bohren lassen, einen Stromgenerator angeschafft, 600 Bäume gepflanzt, Teile der erforderlichen Bodenarbeiten durchführen lassen und die Maurerarbeiten einschließlich des Eingangstores fertigstellen können.
Und wir konnten dank einiger Spenden nun auch ein kleines erstes provisorisches Notgehege errichten, wodurch wir einige Notfälle aufnehmen konnten.
Die Außenarbeiten sind damit bereits beendet. Finanziert wurde dies durch Spendengelder, da wir über keine eigenen Mittel verfügen. Nivellierungsarbeiten des Bodens, der Bau von zwei weiteren großen Gehegen für dringende Notfälle von der Straße und der Bau des gemauerten Gebäudes, in dem dann das Büro, eine kleine Wohnung, der Operationssaal und die Krankenstation untergebracht werden sollen, wären die nächsten Schritte.
Ob wir unser Ziel angesichts dieser enormen finanziellen Herausforderung jemals erreichen werden und können, weiß ich nicht. Auch die mafiösen Kräfte Apuliens werden sicherlich versuchen, uns Steine in den Weg zu legen, um sich ihre Geschäfte mit den Hunden nicht stören zu lassen. Aber wir werden unbeirrt an unserem Ziel festhalten, um den Hunden hier bei uns helfen zu können.
Tierschutzprojekt Italien:
Und wir, Luigia, werden Dir dabei helfen!
Der Horror der Canili muss ein Ende haben!
Wir sind uns dessen bewußt, dass es nicht leicht werden wird, diese enormen finanziellen Herausforderungen zu bewältigen, werden aber alles tun, um dieses Projekt nachhaltig unterstützen und damit dem Inferno Apulien etwas entgegensetzen zu können.
Hier noch ein paar Videos, die den Fortschritt auf dem Oasi dokumentieren:
Oktober 2011 :
Die ersten Hunde, Nerone und Stella, ziehen ein und freuen sich….
Mai 2012 :
Oktober 2012 :
Stand: Oktober 2012. Weitere Neuigkeiten und aktuelle Infos zum Fortchritt der Baumaßnahmen finden Sie in unserem Oasi Bautagebuch.










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